Eine Leidenschaft kommt selten allein

Gestern Abend – es war niemand da, der mich hätte zurückhalten können – packte es mich mal wieder. Ich konnte nicht widerstehen. Es war stärker als ich. Es musste einfach sein. Und überhaupt, wieso auch nicht. 

Also tat ich es – klickte auf “jetzt kaufen”. 
… Nun werden vier weitere Schallplatten bald in meinen Besitz übergehen. 🙂

Schon irgendwie doof – seit es Online-Shopping gibt, ist es wirklich viel zu einfach geworden, der Versuchung nachzugeben… Früher war das etwas anderes – man musste sich bemühen, etwas dafür tun: Man musste einen Laden aufsuchen, hoffen, dass das Objekt der Begierde vorrätig war, schlimmstenfalls musste man es bestellen und dann Tage später nochmals hingehen, um es abzuholen, schließlich musste man mit echtem Geld bezahlen, was auch immer noch etwas anderes ist, als einfach auf “ok” zu klicken. So hat man damals vielleicht doch zweimal über den Kauf nachgedacht. 

Manchmal, besonders in nostalgischen Momenten (oder wenn ich blank bin), vermisse ich diese Zeiten. 

Andererseits – meine spezielle Sucht ist bisweilen außerhalb des Internets schwer zu befriedigen. Und so habe ich statt des oben beschriebenen Rituals ein anderes entwickelt. Eines, dass sogar zwei meiner größten Leidenschaften miteinander kombiniert: Musik und insbesondere die gute alte (oder neue) Vinyl-Schallplatte (denn der unverwechselbare Sound von Vinyl ist einfach Balsam für die Ohren und für die Seele) und Sport (denn Sport ist sowieso etwas ganz Wunderbares für Körper und Geist).

Ganz ehrlich – Online-Vinyl-Shopping ist ein tolles Workout.

Zunächst einmal der Einkauf selbst: Das Gehirn und das Blut kommen schon in Wallung, wenn man angestrengt konzentriert auf den Bildschirm starrt, das Herz pocht aufgeregt und hoffnungsvoll – leicht erhöhter Puls, das ist das Warm-up. 
Dann der Adrenalinstoß, wenn man findet, was man sucht, und der beschleunigte Herzschlag, wenn man das begehrte Stück in den Warenkorb hineinklickt. Noch mehr Aufregung kann entstehen, wenn einem dann mögliche weitere interessante Objekte vorgeschlagen werden oder man gar auf eine “Limited Edition, Coloured Vinyl” stößt! 
Das Herz schlägt immer schneller, während man ungeduldig auf den Sicherheitscode wartet, um die Zahlung freizugeben… Es geht immer mehr in Richtung intensives Kardiotraining, in Richtung Attack-Power-Track.
Und schließlich, wenn all dies geschafft ist – ein wilder Stepptanz, um den Druck abzulassen und der unbändigen Freude Ausdruck zu verleihen, die sich an seiner statt in einem breit macht.  

Dann kommt die Wartezeit. Verbrannte Kalorien jedesmal, wenn man zum Handy greift, es entsperrt, mit dem Finger durch die E-mails scrollt, auf der hoffnungsvollen Suche nach der Versandbestätigung. Die in die Luft gereckte Siegerfaust, wenn diese dann endlich eingeht… Wenn man all diese Kalorien summiert, kommt einiges zusammen, dessen sollte man sich bewusst sein. Nicht, dass man in Unterzucker gerät und völlig unvermittelt zusammenbricht. 

Schließlich der herbeigesehnte Tag: die Zustellung. Oder in meinem Falle besser gesagt: die Abholung. Also auf, schnell zum Paketshop – eine kleine Joggingeinheit schadet schließlich nie. Dann muss man das Paket nach Hause tragen, das ist Kraft-Ausdauer-Training deluxe – schließlich wiegt eine neue Vinyl meistens ganze 180 Gramm, das kann man mit den alten 110-120 Gramm nicht mehr vergleichen! – mit besonderem Fokus auf Bizeps-Curls und Brustpresse. 

„Diskuswerfer“ (Myron)



Für den Fall, dass die Platte echt schlecht ist und man nun ein Ventil für Wut und Enttäuschung braucht, empfehle ich Diskuswerfen – eine olympische Disziplin, von Anfang an, schon seit der Antike. 

Wenn die Scheibe hingegen die Erwartungen erfüllt oder sogar übersteigt, kommen sicher noch einige, je nach Musikstil ruhige oder doch eher ausufernde, Tänzchen im eigenen Wohnzimmer dazu (am besten ohne Schuhe, wegen der Nachbarn). Und falls der digitale Download dann auch noch dabei ist, wird sie Teil einer Playlist… die wiederum beim Training zum Einsatz kommen kann. In jedem Falle ist sie dann ein Werkzeug für die körperliche Ertüchtigung – ihr seht also, der Kreis schließt sich.



Im übrigen möchte ich abschließend – nur fürs Protokoll – unbedingt noch darauf hinweisen, dass meine Kursteilnehmer ebenfalls von meiner Leidenschaft für Musik profitieren – denn diese hilft mir ganz klar, meine Choreos schneller und besser zu lernen. 😀

Wenn ich so darüber nachdenke – bei all diesen guten Gründen sollte ich unbedingt bald wieder neue Platten kaufen. Was soll ich sagen – es ist ein wahrer Teufelskreis. 

Eine Leidenschaft FIBERT die andere!  

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